Der 1. Oktober ist der Internationale Tag der älteren Menschen. Er bietet Anlass, den Blick auf das Älterwerden zu richten, nicht allein unter dem Aspekt von Pflege, Krankheit und Unterstützungsbedarf, sondern auch auf die vielfältigen Fähigkeiten, Erfahrungen und Potenziale älterer Menschen.
Unsere Gesellschaft wird älter. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie wir mit dem Alter umgehen. Noch immer bestimmen jedoch vielfach stereotype Vorstellungen das Bild vom älteren Menschen. Alter wird mit nachlassender Leistungsfähigkeit, Abhängigkeit oder Einschränkungen gleichgesetzt. Daraus können Altersgrenzen entstehen, die Menschen allein aufgrund ihres Lebensalters von gesellschaftlicher Teilhabe oder beruflichen und persönlichen Möglichkeiten ausschließen.
Alter ist mehr als eine Zahl
Gerade im Gesundheitswesen zeigt sich, wie wichtig ein differenzierter Blick auf das Alter ist. Menschen gleichen Alters können sich hinsichtlich ihrer körperlichen Verfassung, ihrer Selbstständigkeit, ihrer Lebenssituation und ihrer gesundheitlichen Bedürfnisse erheblich unterscheiden.
Auch in der Arzneimittelversorgung ist diese Individualität von besonderer Bedeutung. Mit zunehmendem Alter verändern sich unter anderem Stoffwechsel und Ausscheidung von Arzneimitteln. Gleichzeitig nehmen Mehrfacherkrankungen und damit häufig auch die Zahl der gleichzeitig angewendeten Arzneimittel zu. Eine gute pharmazeutische Beratung muss deshalb den einzelnen Menschen in seiner individuellen Lebenssituation betrachten und darf sich nicht allein an einer Altersgrenze orientieren.
Das gilt jedoch nicht nur für gesundheitliche Fragen. Ältere Menschen verfügen über Wissen, berufliche Erfahrung, soziale Kompetenzen und Lebenserfahrung, die für unsere Gesellschaft von großem Wert sind. Viele engagieren sich auch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben weiter, in Familie, Ehrenamt, Politik, Wissenschaft, Kultur oder im sozialen Umfeld.
Ein Plädoyer für einen anderen Blick
„Ja zum Alter“ bedeutet nicht, die Herausforderungen des Älterwerdens zu verharmlosen. Es bedeutet vielmehr, beides zusammenzudenken. Den Bedarf an Unterstützung dort, wo sie notwendig ist, und die Anerkennung der Fähigkeiten und Potenziale dort, wo sie vorhanden sind. Eine altersfreundliche Gesellschaft sollte deshalb nicht fragen: „Was kann ein Mensch in diesem Alter noch leisten?“ Sie sollte fragen: „Was kann dieser Mensch und was möchte er beitragen?“
Der Internationale Tag der älteren Menschen am 1. Oktober ist eine gute Gelegenheit, diesen Perspektivwechsel bewusst zu machen.
Ja zum Alter heißt:
Alter nicht als Defizit zu betrachten, sondern als Teil des Lebens mit individuellen Fähigkeiten, Erfahrungen und Möglichkeiten.
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